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Taurin für Hunde

Taurin ist eine sogenannte Aminosulfonsäure, also chemisch nah verwandt mit den Aminosäuren, aber strukturell etwas anders aufgebaut. Im Hundekörper kommt Taurin in hohen Konzentrationen in Herz, Netzhaut, Skelettmuskulatur und Gehirn vor. Hunde können Taurin selbst herstellen, anders als Katzen. Trotzdem brauchen manche Rassen oder Hunde mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten zusätzliches Taurin über das Futter.

Besonders im Fokus steht Taurin beim Thema Herzgesundheit. Bei mehreren Rassen wurde ein Taurin-Mangel im Zusammenhang mit dilatativer Kardiomyopathie (DCM) beobachtet, einer schwerwiegenden Herzmuskelerkrankung. In klinischen Studien konnte eine Taurin-Supplementation die Herzfunktion bei betroffenen Hunden teilweise verbessern. Auch für Augen und Muskeln ist Taurin ein wichtiger Baustein.

Bild von einem weißen Pulverhäufchen Taurin.

EIGENSCHAFTEN

Vorteile von Taurin

  • Schwefelhaltige Aminosulfonsäure

    Taurin enthält eine Sulfonsäure-Gruppe statt der typischen Carboxylgruppe der Aminosäuren. Im Körper liegt es nicht in Proteine eingebaut vor, sondern in freier Form. Hauptlokalisationen sind Herzmuskel, Netzhaut, Skelettmuskulatur und Gehirn.

  • Wichtig für die Herzfunktion

    Studien zeigen, dass ein Taurin-Mangel bei bestimmten Hunderassen mit dilatativer Kardiomyopathie verbunden sein kann, etwa bei American Cocker Spaniels, English Cocker Spaniels und einigen Golden Retrievern. In der MUST-Studie konnte eine Supplementierung die Herzfunktion verbessern.

  • Funktion in der Netzhaut

    In der Netzhaut zählt Taurin zu den häufigsten freien Aminosäuren. Es schützt die lichtempfindlichen Zellen und unterstützt deren Funktion. Ein Taurin-Mangel kann sich beim Hund mit Augenproblemen zeigen, ähnlich wie schon lange für die Katze bekannt.

  • Hunde sind keine Katzen

    Hunde können Taurin aus den Aminosäuren Cystein und Methionin selbst herstellen, also begrenzt selbst versorgen. Bei bestimmten Rassen, in der Wachstumsphase oder bei Diäten mit niedrigem Protein- oder Schwefelaminosäuren-Gehalt kann diese Eigensynthese aber nicht ausreichen.

  • Diskussion zu getreidefreien Diäten

    Seit 2018 gibt es eine FDA-Diskussion zu einem möglichen Zusammenhang zwischen getreidefreien Hundefuttern mit hohem Hülsenfrüchte-Anteil und DCM. Die Datenlage ist nicht abschließend, ein Taurin-Mangel scheint nur ein Faktor von mehreren zu sein.

STECKBRIEF

Was ist Taurin?

Taurin wurde 1827 erstmals aus der Galle von Ochsen isoliert, daher der Name vom lateinischen taurus, dem Stier. Chemisch ist es eine schwefelhaltige Aminosulfonsäure mit dem ungewöhnlichen Aufbau einer Aminogruppe an einem Ende und einer Sulfonsäuregruppe am anderen. Im Körper liegt es in hohen Konzentrationen vor, vor allem dort, wo viel passiert: in Herz, Muskeln, Gehirn und Netzhaut. Der Mensch nimmt Taurin mit der Nahrung auf und kann es zusätzlich selbst synthetisieren.

Beim Hund ist die Eigensynthese aus den schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin in der Regel ausreichend, weshalb Taurin offiziell nicht als essentiell gilt. Trotzdem kann es bei bestimmten Bedingungen zu einem funktionalen Mangel kommen: Diäten mit niedrigem Eiweißgehalt, ungewöhnlichen Proteinquellen wie Lamm oder Hülsenfrüchten, Hunde mit hohem Energieumsatz, bestimmte Rassen mit genetischer Prädisposition. Vor allem große Rassen wie Neufundländer, Golden Retriever, American Cocker Spaniel und Doggen sind in der Literatur dokumentiert.

Taurin hat im Körper viele Funktionen: Es stabilisiert Zellmembranen, ist an der Bildung von Gallensäuren beteiligt, wirkt antioxidativ und reguliert den Kalzium-Haushalt in den Zellen. In der Skelett- und Herzmuskulatur ist Taurin entscheidend für die elektrische Stabilität und die Kontraktionsfähigkeit. Aus diesem Grund ist es ein häufiger Bestandteil von Energy-Drinks für den Menschen und in der Tierernährung ein wichtiger Baustein vieler Komplettfutter und Herzformulierungen.

IN UNSEREN PRODUKTEN

Produkte mit Taurin

IN DER PRAXIS

Anwendung bei Hunden

Taurin wird Hunden meist als Pulver, Tablette oder Kapsel gegeben, oft als Bestandteil von Herz- oder Komplettformulierungen. Übliche Dosierungen liegen bei 500 bis 1.000 mg pro Tag für mittelgroße Hunde, bei sehr großen Hunden oder bei diagnostiziertem Mangel auch deutlich höher. Eine längerfristige Anwendung ist nötig, damit sich die Gewebespiegel aufbauen. Erste Effekte auf Herzparameter zeigen sich oft erst nach 3 bis 6 Monaten.

Bei Hunden mit Verdacht auf Herzerkrankungen, insbesondere DCM, sollte die Anwendung von Taurin immer mit dem Tierarzt abgestimmt werden. Eine Blutuntersuchung auf Taurin-Spiegel ist möglich und gibt klare Hinweise. Bei gesunden Hunden mit ausgewogener Fütterung ist eine zusätzliche Taurin-Gabe in der Regel nicht nötig, aber als Sicherheitspolster bei prädisponierten Rassen oder besonderen Diäten oft sinnvoll. Taurin gilt als sehr gut verträglich, auch in höheren Dosierungen.

UNSERE EINORDNUNG

Fazit

Bei DOG1 betrachten wir Taurin als wichtige funktionale Aminosulfonsäure, gerade bei Themen rund um Herz, Muskeln und Augen. Für gesunde Hunde mit hochwertigem Futter ist eine zusätzliche Gabe oft nicht nötig, für bestimmte Rassen, Senioren oder Hunde mit speziellen Diäten kann sie aber ein gutes Sicherheitsnetz sein. Bei Verdacht auf Herzerkrankungen gehört Taurin in tierärztliche Hände, nicht in die Eigenregie. Wir setzen es gezielt ein, dort wo es Sinn ergibt.

ZUM NACHLESEN

Quellen & Studien

  1. Kittleson M. D., Keene B., Pion P. D., Loyer C. G. (1997). Results of the multicenter spaniel trial (MUST): taurine- and carnitine-responsive dilated cardiomyopathy in American cocker spaniels with decreased plasma taurine concentration. Journal of Veterinary Internal Medicine, Vol. 11, Issue 4, pp. 204-211. 10.1111/j.1939-1676.1997.tb00092.x
  2. Kaplan J. L., Stern J. A., Fascetti A. J., et al. (2018). Taurine deficiency and dilated cardiomyopathy in golden retrievers fed commercial diets. PLOS ONE, Vol. 13, Issue 12, Article e0209112. 10.1371/journal.pone.0209112
  3. Basili M., Pedro B., Hodgkiss-Geere H., et al. (2021). Low plasma taurine levels in English cocker spaniels diagnosed with dilated cardiomyopathy. Journal of Small Animal Practice, Vol. 62, Issue 7, pp. 570-579. 10.1111/jsap.13306
  4. Freeman L. M., Rush J. E., Adin D., et al. (2022). Association of diet with clinical outcomes in dogs with dilated cardiomyopathy and congestive heart failure. Journal of Veterinary Cardiology, Vol. 36, pp. 1-14. 10.1016/j.jvc.2021.02.001
  5. McCauley S. R., Clark S. D., Quest B. W., et al. (2020). Review of canine dilated cardiomyopathy in the wake of diet-associated concerns. Journal of Animal Science, Vol. 98, Issue 6, skaa155. 10.1093/jas/skaa155